Corona schmälert die Ausbildungschancen

Viele Jugendliche sind verunsichert, was die eigenen Chancen auf dem Ausbildungsmarkt anbelangt. Nach einer aktuellen Befragung von iconkids & youth im Auftrag der Bertelsmann Stiftung
sagen 61 Prozent der befragten 14- bis 20-jährigen, dass sich die Chancen auf Ausbildung verschlechtert haben.
Rund die Hälfte ist der Meinung, dass die Politik wenig bis gar nichts für die Ausbildungsplatzsuchenden tut. Insbesondere junge Menschen mit mittleren und niedrigen Schulabschlüssen sehen der Zukunft skeptisch entgegen.

Fast zehn Prozent weniger Lehrstellen 2020

Dass diese Sorgen durchaus begründet sind, zeigen die Zahlen des Statistischen Bundesamtes. 
Danach wurden im zurückliegenden Jahr 425.200 neue Ausbildungsverträge geschlossen.
Das sind 9,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Dass der Trend zum Ausbildungsplatzabbau in Deutschland noch nicht gebrochen ist, zeigen auch die aktuellsten Zahlen: Von Oktober 2020 bis Ende März 2021 sank die Zahl der bei der Bundesagentur für Arbeit (BA) gemeldeten Lehrstellen gegenüber dem Vorjahreszeitraum um sieben Prozent.

Weniger ausgebildet wird besonders in Berufen, die vom Lockdown stark betroffen sind. Das gilt etwa für Friseure, die Touristikbranche  oder Hotels und Gaststätten. 

Die Zahl der angebotenen Lehrstellen sank, obwohl die Bundesregierung schon im vergangenen Jahr mit der Ausbildungsprämie einen Anreiz für Unternehmen geschaffen hat, trotz Krise weiter auszubilden. Diese wird ab Juni sogar auf 4.000 Euro je Ausbildungsvertrag verdoppelt. Für jeden zusätzlich abgeschlossenen Vertrag gibt es 6000 Euro vom Staat. Bis zum März haben rund 26.000 Betriebe diese Prämien beantragt.

Fast zwei Millionen junge Deutsche ohne Ausbildung

Junge Leute ohne abgeschlossene Ausbildung finden sich häufig in schlecht bezahlten Kurzfristjobs wieder und ihnen droht viel häufiger Arbeitslosigkeit. Aktuell gibt es über zwei Millionen Deutsche im Alter zwischen 20 und 34 Jahren ohne abgeschlossene Berufsausbildung, wie das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) ermittelte. Ein Drittel aller Hauptschulabsolventen in diesem Alter gehören dazu.
Umso wichtiger ist es, die Sorgen und Nöte junger Ausbildungswilliger ernst zu nehmen. Fast eine Drittel (29 Prozent) der an einer Ausbildung interessierten Schülerinnen und Schülern ist sich nicht so sicher oder pessimistisch, eine den eigenen Vorstellungen und Erwartungen entsprechende Lehrstelle zu finden. Besonders pessimistisch sind mit 39 Prozent die Hauptschülern unter den in der Bertelsmann Studie Befragten.

Ausbildungsplatzgarantie als mögliche Lösung

Lösen ließe sich das Problem mit einer Ausbildungsgarantie nach dem Vorbild Österreichs. In unserem Nachbarland bekommen alle Jugendlichen, die keine Lehrstelle finden, erst einmal für ein Jahr einen staatlich finanzierten Ausbildungsplatz angeboten. Sollte nach 12 Monaten kein Wechsel in eine betriebliche Ausbildung möglich sein, können die Lehrlinge auch beim jeweiligen Bildungsträger ihren Abschluss machen.

Kaum Sorgen müssen sich dagegen Schüler mit höheren Bildungsabschlüssen machen: „Wer das Abitur macht, hat in Deutschland eine weitgehende Studiengarantie. Jungen Menschen auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz müssen wir eine ebenbürtige Sicherheit bieten“, fordert Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann Stiftung. Für Dräger ist das auch eine Frage der sozialen Gerechtigkeit. 

Viele offene Lehrstellen im Handwerk

Relativ gut stehen die Chancen für junge Menschen auf Lehrstellensuche im Handwerk. Hier gibt es sogar, trotz Pandemie, ein deutliches Überangebot: Im März diesen Jahres standen laut Angaben der BA rund 197.000  Ausbildungsplatzsuchern 260.000 unbesetzte Lehrstellen gegenüber. 
„Die Ausbildungsbereitschaft im Handwerk ist ungebrochen. Unsere Betriebe stehen bereit und bieten Ausbildungsplätze an“, sagte Hans Peter Wollseifer Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) kürzlich gegenüber den Handelsblatt.

Da Tausende dieser Ausbildungsplätze 2020 unbesetzt geblieben sind, hält es  Wollseifer für entscheidend, die Berufsorientierung an den Schulen, besonders  auch in den Gymnasien zu intensivieren und mehr junge Menschen für eine Ausbildung zu begeistern.

Woche der Ausbildung – einfach informieren!

Wer von Euch derzeit noch auf der Suche nach einem geeigneten Ausbildungsplatz ist und die „Woche der Ausbildung“ (15. bis 21. März) in verpasst hat, der kann sich auch nachträglich noch informieren.
Auf den jeweiligen Webseiten Eures Bundeslandes findet Ihr Videos und viele andere spannende Infos zu den verschiedenen Ausbildungsberufen und könnt auch nach aktuell offenen Lehrstellen suchen.
Unter den folgenden Links findet Ihr zwei Beispiele. Das eigene Bundesland bitte einfach zusammen mit dem Stichwort „Woche der Ausbildung“ in die Suchmaschine eingeben.

Weiterführende Links:

„Woche der Ausbildung“

Studien zum Thema:

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